Aktuelle Marktlage am 27. September 2020

Am 20. September schrieb ich: „Wenn die US-Märkte ihren nächsten Abwärtsschwung beginnen, dürfte sich der DAX dem auch nicht mehr entziehen können und ebenfalls spürbar nachgeben. Ich würde mich über Kurse unter 12000 Punkte nicht wundern. Bis zum Monatswechsel rechne ich mit fallenden Kursen quer durch alle Weltindizes, vor allem im überbewerteten Hightech-Sektor. Anfang Oktober sollten die Indizes dann noch einen kräftigen Schwung abwärts machen.“

Der S&P500, der Dow Jones und der NASDAQ100 haben seitdem neueste Tiefstände erreicht. Zugegebenermaßen ist der NASDAQ, dessen Werte ich als besonders überbewertet bezeichnet habe, seitdem wieder ein Stück weit angestiegen. Dafür ist der DAX auf dem besten Wege in Richtung 12000 Punkte. Vom 21. September bis zum 25. September ist er von über 13048 Punkten schon um 700 Punkte auf 12349 gefallen. Trotz der starken Gegenbewegung im NASDAQ100 bleibe ich bärisch eingestellt und erwarte nach wie vor neue Tiefs sowohl in den US-amerikanischen als auch den europäischen Indizes.

Erholung oder nur Zwischenerholung?

Nachdem der S&P500 schon etwa 10%, der NASDAQ100 ganze 14% und der DAX immerhin etwa 9% nachgegeben hat, fragen sich viele, ob das nicht schon die ganze Korrektur gewesen sein könnte. Mir sind viele Marktteilnehmer dafür immer noch oder schon wieder zu optimistisch.

Auch die Charts der bestimmenden FAANGMAN-Aktien sehen für zwar mich so aus, als hätten sie zwar schon einen guten Rücksetzer hinter sich. Aber eine Korrektur endet mit einer entscheidenden Abschlussbewegung nach unten, die mir immer bei Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Alphabet immer noch fehlt.

Dazu kommt die Saisonalität. In Wahljahren tendieren die Kurse dazu, um den Monatswechsel September/Oktober noch einmal abzugeben. Natürlich sind das alles keine Garantien, aber immerhin Anhaltspunkte.

Ausblick

Unmittelbar für nächsten paar Tage vermute ich noch einen Abwärtsschub in den Aktienmärkten. Für manche amerikanischen Aktien dürfte damit am Übergang September/Oktober bereits das endgültige Tief erreicht sein. Danach sollte wieder eine deutliche Erholung bis Mitte Oktober zumindest in den US-Märkten anstehen. Da der DAX erst später mit der Korrektur begonnen hat, könnte sie sich deren Ende dort auch noch etwas länger hinziehen.

Wie bereits mehrfach geschrieben, erwarte ich nach der US-Wahl für die US-amerikanischen Märkte eine optimistische Phase. Auch hier könnte sich der Nachzieheffekt für Europa noch ein wenig verzögern.

Investmentfonds

Investmentsfonds sind Wertpapiere, in denen mehrere andere Wertpapiere zusammengefasst sind. Das Anlageuniversum der Investmentfonds ist riesig und kann auf vielerlei Arten eingeteilt werden. Manche Investmentfonds sind sinnvoll, manche schlicht entbehrlich. Bei wieder anderen kommt es auf den Einzelfall an. Dieser Artikel behandelt das Thema aus einer Reihe von Aspekten.

Aktien-, Renten-, Misch- und andere Investmentfonds

Zum einen können Investmentsfonds nach den Anlageklassen unterteilt werden, in die sie investieren. Von Spezialitäten wie Filmfonds und Waldfonds möchte ich hier absehen. In ihrem Fall sollte man sehr gut über die Investitionsobjekte infomiert sein. Gerade bei Waldfonds wäre für mich die Anlage wegen der extrem langfristigen Perspektive kaum planbar.

Die häufigste und bekannteste Anlageklasse für Fonds sind Aktien, also Beteiligungen an börsennotierten Aktiengesellschaften. Aktien haben wegen der Schwankungen in Wirtschaft, Politik und Anlegerstimmung ein Risiko für zwischenzeitliche Verluste. Andererseits bringen sie langfristig aber auch eine höhere Rendite als festverzinsliche Wertpapiere. Da sich die Schwankungen einzelner Aktien in einem breit diversifizierten Fonds gegenseitig ausgleichen können, sind Investmentfonds oft weniger schwankungsanfällig als direkte Investments in Aktien. Das macht Investmentfonds für Kleinanleger interessant, deren Depots für eine eigene breite Diversifizierung nicht groß genug sind.

Eine andere weit verbreitete Anlageklasse sind Anleihen, die wegen ihrer konstanten Zinszahlung auch Rentenpapiere genannt werden. Investmentfonds, die in Anleihen investieren, nennt man darum Rentenfonds. Bei erstklassigen Anleihen ist Diversifizierung allerdings weit weniger wichtig als bei Aktien. Da Anleihen im Unterschied zu Aktien eine sichere Auszahlungssumme am Ende ihrer Gültigkeit aufweisen, kann man auch selbst in Anleihen hoher Bonität und kurzer Restlaufzeit investieren. Insbesondere aktiv gemanagte Rentenfonds haben sonst oft Schwierigkeit, eine ausreichende Rendite zu erwirtschaften, um überhaupt ihre Gebühren wieder auszugleichen.

Zwischen beiden Extremen liegen die Mischfonds, die die riskanteren Schwankungen der Aktien mit schwankungsärmeren Anleihen ausgleichen sollen. Oft hoffen Anleger, dass solche Mischfonds rechtzeitig vor Krisenzeiten Geld aus Aktien in Anleihen umschichten und in Boomzeiten wieder lukrativer investieren. Die Erfahrung lehrt leider, dass Mischfonds Krisen auch nicht besser vorhersagen können.

Aus obigen Absätzen geht hervor, dass ich für gezielte Investments nach einem Börsencrash oder langfristige Geldanlage Aktienfonds vor anleihenhaltigen Investmenfonds vorziehe.

Aktiv gemanagte Investmentfonds

Die nächste Einteilung von Investmentfonds unterscheidet nach der Auswahl der Wertpapiere und der daraus folgenden Gebührenstruktur.

Im letzten Jahrhundert wurden die Wertpapiere eines Investmentfonds typischerweise durch einen Fondsmanager gezielt ausgewählt. Auch heute sind solche aktiv gemanagten Investmentfonds weit verbreitet. Auf diese Weise sollten vielversprechende Aktien gefunden und Verlierer vermieden werden. Für die Arbeit der Aktienauswahl berechnen gemanagte Fonds jährliche Gebühren von verbreitet 2 bis 3 Prozent, um die ihre Rendite vermindert wird. Die Arbeit des Managements muss daher einen solchen Aufschlag wert sein. Je spezieller die Aktien (z.B. spezielle Branche, exotische Länder), desto höher ist meist die Gebühr.

Hinzu kommt, dass beim Kauf von Investmentfonds ein Ausgabeaufschlag erhoben wird, der als Provision an die ausgebende Bank abgeführt wird. Dieser Aufschlag kann typischerweise noch einmal 5 Prozent ausmachen und dadurch die Rendite des ersten Jahres vollständig vernichten. Zum Glück geben Direktbanken Rabatte auf den Ausgabeaufschlag.

Indexfonds

Im Gegensatz dazu bilden Indexfonds einen Aktienindex nach, für dein kein aktives Management notwendig ist. Dadurch kommen Indexfonds mit geringen Gebühren von Bruchteilen eines Prozents aus. Dabei ist zu beachten, dass auch bekannte Indizes den Wunsch nach Diversifikation nur unzureichend erfüllen. Der deutsche Aktienindex DAX und der Dow Jones Industrial Average bestehen beide nur aus jeweils 30 Aktien und haben dadurch eine höhere Spezialisierung als breitere Indizes wie z.B. der US-amerikanische S&P500 oder der MSCI World. In den meisten Fällen dürften Indexfonds auf derart breite Indizes für Fondsanleger die einfachste und gleichzeitig günstigste Alternative darstellen.

Neuerdings kommen Indexfonds auf immer eigenwilligere Indizes auf den Markt, die sich auf spezielle Branchen oder sogar auf Aktien mit bestimmten Entwicklungen in ihrem Kurs spezialisieren (Momentum-Fonds). Das widerspricht eigentlich dem ursprünglichen Gedanken der Indexfonds. Im nächsten Aktiencrash könnten solche Spezialfonds vermutlich ihre derzeitige Überrendite wieder abbauen und damit den zwischenzeitlichen Nachteil der breiter diversifizierenden Fonds wieder ausgleichen.

Indexfonds, deren Index wenige große Firmen enthält, können ihre Anteile direkt an den Börsen kaufen. Bei Fonds, die über ihren Index auch illiquide Aktien kleiner Firmen und/oder in Schwellenländern kaufen müssen, wird das schwieriger. Oft kaufen darum solche Indexfonds die Aktien nicht direkt, sondern vereinbaren ein Swap-Geschäft mit einer Bank, die ihnen den entsprechenden Wert der Aktienbeteiligung zusichert. Manche Anleger sind bezüglich solcher Swapgeschäfte skeptisch, bisher gab es allerdings deswegen noch keine Probleme.

Index-Hugger

Ein ähnliches Problem bekommen aktiv gemanagte Fonds, wenn ihr Fondsvolumen zu groß wird. Während kleine Fonds noch gezielt in aussichtsreiche Smallcaps, also Firmen mit geringem Börsenwert, investieren können, stehen diese großen Fonds nicht mehr zur Verfügung. Ein großer Fonds würde durch einen Zukauf und späteren Verkauf eines kleinen Smallcaps dessen Kurs zu sehr selbst beeinflussen. Darum verkümmern große Publikumsfonds mit der Zeit selbst zu indexfonds-ähnlichen „Index-Huggern“, die keinen Vorteil mehr vor einem echten Indexfonds aufweisen.

Welcher Investmentfonds lohnt sich wann?

Investmentfonds sind eine großartige Erfindung für Anleger, die mit relativ wenig Geld in viele Aktien gleichzeitig investieren wollen. Ein an der Börse notierter breiter Indexfonds in globale Aktien ist langfristig sicherlich in keinem Depot eine dumme Idee als Basisinvestment.

Rentenfonds halte ich für entbehrlich. Wenn man in Niedrigzinsphasen Anleihen halten will, würde ich am ehesten Anleihen hoher Bonität und kurzer Restlaufzeit direkt an der Börse kaufen.

Für noch weniger sinnvoll halte ich Garantiefonds. Sie versuchen, Anlegern das scheinbar so gefährliche Risiko der Aktien mit der garantierten Anlagesumme schmackhaft zu machen. Das führt jedoch dazu, dass die vermeintliche Rendite der Aktienanlage auf der Strecke bleibt.

Es gibt vereinzelt Gründe, aktiv gemanagte Fonds in Betracht zu ziehen. Das kann für Aktien in speziellen Branchen, exotischen Ländern oder ausländischen Smallcaps gelten – aber nur, wenn man meint, wirklich genug Ahnung von diesen speziellen Märkten zu besitzen. Die Schwierigkeit, mit engen Spezialwerten oder an ausländischen Börsen zu handeln bzw. in eine Auswahl mehrerer solcher Spezialwerte zu investieren, kann man dann an den Manager delegieren. Allerdings ist der eigentliche Sinn der Investmentfonds, zu diversifizieren und damit das Risiko zu vermindern, dann nicht mehr gegeben.

Letztlich kann ich niemandem bei Investmententscheidungen zu- oder abraten. Ich gebe natürlich keine Empfehlungen ab, weil jeder Anleger für die eigenen Entscheidungen verantwortlich ist. Ich wünsche allen eine gute Hand bei der Auswahl ihrer Wertpapiere.

Aktuelle Marktlage am 20. September 2020

Am 12. September schrieb ich: „Bis Mitte September überwiegt in den USA noch die Tendenz nach unten. Danach sollte etwa eine Woche lang eine Gegenbewegung einsetzen. Ab Ende September setzt sich dann vermutlich der Abwärtsschwung den Oktober hindurch weiter fort.“

Die Tendenz nach unten hielt tatsächlich noch zwei Tage bis zum 14.9. an, die Gegenbewegung war eher dürftig und dauerte auch nur zwei Tage. Das vermutete „Ende Semptember“ begann damit schon am 17.9. mit dem nächsten Abwärtsschwung, und der wird uns wohl noch eine Weile erhalten bleiben.

Im wesentlichen nichts Neues

Für den restlichen September und Anfang Oktober erwarte ich weiter fallende Kurse in den amerikanischen Indizes. Das sind schlechte Nachrichten für Buy&Hold-Anleger an den US-Märkten, aber gute für Market-Timer, die Mitte Oktober auf Schnäppchenjagd gehen wollen.

Korrekturen sind leider schlecht zu planen. Die Abwärtsbewegung der kommenden Wochen wird zwar naturgemäß weitgehend abwärts gehen, aber zwischendurch auch immer wieder ein paar Zacken aufwärts zeigen. Wann genau dies der Fall ist, ist schwer zu sagen. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich den Monatswechsel für einen kleinen Hochpunkt anvisieren, nach dem man noch einmal richtig short gehen kann. Der NASDAQ100 könnte meiner Meinung nach in der Nähe von 10000 Punkten landen. Das ist natürlich nur blind geraten und auf keinen Fall eine Prognose.

Aussicht für den DAX

So viel zu den US-Märkten. Der DAX hat sich inzwischen tapfer in seiner Aufwärtsbewegung gehalten, aber zuletzt immer weiter zugespitzt. Hier steht ein Ausbruch unmittelbar bevor. Wenn die US-Märkte ihren nächsten Abwärtsschwung beginnen, dürfte sich der DAX dem auch nicht mehr entziehen können und ebenfalls spürbar nachgeben. Ich würde mich über Kurse unter 12000 Punkte nicht wundern.

Ausblick

Bis zum Monatswechsel rechne ich mit fallenden Kursen quer durch alle Weltindizes, vor allem im überbewerteten Hightech-Sektor. Anfang Oktober sollten die Indizes dann noch einen kräftigen Schwung abwärts machen. Mitte Oktober, wenn wieder alle Angst vor Covid und dem künftigen US-Präsidenten haben, ist dann endlich wieder ein guter Zeitpunkt, um Aktien zu kaufen.

Natürlich gebe ich weiterhin keine Empfehlungen ab, weil alles, was ich schreibe, komplett erfunden ist. Dies ist keine Prognose, sondern nur eine Mutmaßung und auf keinen Fall Grund für irgendwelche Anlageentscheidungen. Der Finanzmarkt und die Kurse aller Aktien können und werden sich völlig anders entwickeln, als ich es vermute.

Market Timing unmöglich oder unvermeidlich?

Market Timing scheidet die Geister. Die einen sagen, es sei grundsätzlich unmöglich, in einem chaotischen Markt die richtigen Zeitpunkte zu treffen. Dazu gehören auch Nobelpreisträger. Andere meinen, im Grunde betreibe jeder Anleger auf seine Art Market Timing. Dieser Beitrag leitet eine Folge von Artikeln ein, die das Thema Market Timing mit verschiedenen Mitteln behandeln. Zuerst geht es um die allgemeine Möglichkeit oder Unmöglichkeit.

Effiziente Märkte und Random walk

Wahrscheinlich der erste, der die Kursänderungen an den Börsen mathematisch betrachtete, war Jules Regnault. Er beschrieb sie 1863 in seinem Werk „Berechnung der Chancen und Philosophie der Börse“ als Random Walk, zu deutsch Zufallsbewegung. Seine Veröffentlichung ist allerdings heute kaum bekannt. Dasselbe gilt für Louis Bachelier, der im Jahre 1900 in seiner Doktorarbeit „Theorie der Spekulation“ die Kursbewegungen mit der Brownschen Bewegung beschrieb. Demnach sollte jede Änderung chaotisch und damit unvorhersagbar sein. Regnaults und Bacheliers Arbeit gerieten weitgehend in Vergessenheit und sind bis heute nicht sehr bekannt.

Neuen Schwung bekam die Theorie der chaotischen Finanzmärkte 1973 mit Burton Malkiels Buch A Random Walk Down Wall Street. Darin argumentiert Malkiel, dass es wegen der zufälligen Kursschwankungen unmöglich ist, an den Märkten systematisch überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen. In Einzelfällen ist dies natürlich nicht ausgeschlossen, ebenso wie es vorkommt, das man mehrere Sechsen nacheinander würfelt. Langfristig aber wird jede Strategie am Chaos scheitern. Dafür widerlegt Malkiel zahlreiche populäre Ansätze und schließt daraus, dass passives Investieren in den ganzen Markt überlegen sei.

Eine Erklärung für die Unverhersagbarkeit der Finanzmärkte liefert die Markteffizienzhypothese von Eugene Fama aus dem Jahr 1970. Ihr zufolge werden alle neuen Informationen sofort in die Preise an den Börsen einfließen. Da die Informationen selbst unvorhersagbar sind, kann auch niemand bei den Änderungen der Kurse vor anderen einen Vorteil haben.

Die Marteffizienzhypothese wird noch unterschiedlich abgestuft, je nachdem, ob nur historische Preisverläufe, oder auch Geschäftsberichte oder Insiderinformationen sofort in den Kursen eingepreist werden. Bis zu welchem Grade die Markteffizienz tatsächlich gilt, ist unklar.

Zufällig sind die Märkte auf jeden Fall auch ohne Markteffizienz. Ob gerade jemand zehntausend Euro erbt und spontan anlegt oder einen Unfall erleidet und sein Depot für ein neues Auto auflöst, ist unvorhersagbar. Solche Transaktionen führen natürlich sofort zu kleinen, unplanbaren Schwankungen in den Kursen.

Random walk, Markteffizienz und Market Timing

Wenn die Markteffizizenzhypothese stimmt und die Marktbewegungen chaotisch sind, sollte es unmöglich sein, aus gezielter Wahl der Investitionszeitpunkte einen Vorteil zu ziehen. Beispiele wie Warren Buffett oder George Soros sowie überzeugte Anhänger von Anlagestrategien scheinen dies zu widerlegen. Andererseits könnten sie aber auch Ergebnisse des Zufalls sein. Wenn an der Börse Millionen von Menschen investieren, werden darunter auch manche zufällig überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Wenn man mit dem Maschinengewehr auf eine Zielscheibe schießt, trifft man bestimmt auch irgendwann ins Schwarze.

Die Vorhersagbarkeit des chaotischen Wetters

Meiner Ansicht nach sind die Schlussfolgerungen der Markteffizizenzhypothese und der Random-Walk-Theorie nicht schlüssig. Ich will dies am Beispiel des Wetters erläutern.

Auch das Wetter ist zufällig. Es ist der Meteorologie nach wie vor unmöglich anzugeben, an welcher Stelle um wie viel Uhr wie viele Millimeter Regenn fallen werden. Kleine Unregelmäßigkeiten beeinflussen das lokale Wetter auf unvorhersehbare Weise. Ein Baum behindert den Wind, ein erhitzter Parkplatz sorgt für Thermik, und schon verschiebt sich die Regenwolke um hundert Meter. Es lohnt sich im Schnitt aber immer noch, bei grauem Himmel einen Schirm mitzunehmen, und bei strahlend blauem nicht.

Trotzdem ist das Wetter nicht unvorhersagbar. Man kann ziemlich sicher sein, dass es nachts kälter ist als tags. Bauern können nicht wissen, wann der letzte chaotische Nachtfrost kommt. Trotzdem können sie mit hinreichender Zuverlässigkeit die Pflanzung empfindlicher Gewächse planen. Das klappt natürlich nicht immer, aber durch Beobachtung der Wetterkurven finden sie bessere Daten als wenn sie sie rein zufällig auswürfeln würden.

Insofern kann die Beobachtung von kleinen typischen Regelmäßigkeiten insgesamt chaotischer Daten durchaus verbesserte Erwartungswerte ermöglichen.

Die „Einpreisung“ von Nachrichten

Die Markteffizienzhypothese besagt, dass Nachrichten unmittelbar eingepreist werden. Berechtigt mag die Annahme im Fall eines Crashs sein. Aber in ruhigen Märkten ist diese Unmittelbarkeit meines Erachtens zweifelhaft.

Die großen Summen einflussreicher Marktteilnehmer werden üblicherweise nicht gleich vollständig an den Markt übergeben, weil das ihnen selbst die Kurse verderben würde. Stattdessen kaufen und verkaufen Fonds und Stiftungen über längere Zeiträume in kleineren Tranchen, die zu den typischen regelmäßigen Auf- und Abwärtstrends führen. An diesen Trends können sich Charttechniker gezielt anhängen und mit davon profitieren.

Was bei dieser nüchternen Betrachtung von Nachrichten und Kursen nicht berücksichtigt wird, ist die Psychologie der Emotionen, die noch einen eigenen Beitrag verdient hat. Menschen lassen sich von Emotionen anderer leicht anstecken und vom Schwung der Aktienkurse mitreißen. In der Hausse steigen immer mehr optimistische Spekulanten in den Aufwärtstrend mit ein. Im Crash führt die Panik dazu, dass auch Anleger verkaufen, die eigentlich vom langfristigen Halten der Aktien überzeugt waren.

Die Unvermeidbarkeit des Market Timings

Eine interessante, aber unorthodoxe Ansicht vertrat Marian McClellan, die den McClellan-Oszillator mit erfunden hat, ein Werkzeug zum Market Timing, über das ich zu einem anderen Zeitpunkt schreiben werde. Ihrer Meinung nach betreibt jeder Anleger bei jeder Transaktion Market Timing, wenn nicht durch die Kurse, dann durch andere Einflüsse. Das ist natürlich nicht, was man gemeinhin unter Market Timing versteht, aber es zeigt einen weiteren Aspekt. Wenn fremde Einflüsse gehäuft auftreten, werden sie den Markt systematisch beeinflussen und können dadurch auch von anderen Marktteilnehmer ausgenutzt werden. Wenn zum Beispiel eine Regierung einen Covid-19-Stimulus für alle ankündigt, kann man mit einem Anstieg der Aktienkurse rechnen.

Fazit

Die Märkte reagieren sofort auf Nachrichten und bewegen sich auch davon abgesehen durch beliebigen Handel chaotisch. Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, hinter den Schwankungen größere Muster wahrzunehmen. Diese entstehen zum Beispiel durch Transaktionen großer Marktteilnehmer oder starke Emotionen unter den Spekulanten.

In eingen Folgebeiträgen werden ich Verfahren diskutieren, mit denen Anleger versuchen, die Durchschnittsrendite des Marktes zu übertreffen.

Aktuelle Marktlage am 12. September 2020

Am 6. September schrieb ich: „In der kommenden Woche dürften die Indizes weiter fallen, natürlich wie an der Börse üblich mit kleinen Zwischenstopps und Zickzackbewegungen. [Wir haben] bis zum 4.9.2020 nur einen Teil eines Down-Impulses erlebt. Vom 7.9. bis zum 11.9. sollten den Rest erleben.“

Seitdem haben die US-Indizes weiter nachgegeben, insbesondere der NASDAQ100 mit den Hightechwerten hat noch einmal wie erwartet nachgegeben. Interessanterweise halten sich die europäischen Indizes noch stabil. Ende September dürften sie aber mit der zweiten Abwärtswelle mitfallen. Immerhin krabbelt der DAX nur ganz allmählich empor, der Schwung nach dem Corona-Crash hat nachgelassen.

Erwartung: Noch eine Abwärtsbewegung

An meiner globalen Einschätzung der Marktlage hat sich nicht viel geändert. Die US-Indizes stehen kurz vor der Aufwärtskorrektur der Abwärtsbewegung vom Anfang September. Von vielen wird dies als Signal der Entwarnung interpretiert. In Tesla-Foren hört man schon begeisterte Stimmen von der Wiederaufnahme des Aufwärtstrends schwärmen. Aber bis zur Präsidentschaftswahl fehlt mir noch eine Abwärtsbewegung, die insbesondere den NASDAQ100 und die darin enthaltenen Hightech-Aktien tiefer führen dürfte.

Sammeln für die Watchlist

Für die Zeit ab November bin ich schon am Sammeln interessanter Aktien auf meiner Watchlist. Dazu zählen weiterhin die bekannten großen FAANG / FATMAN / GAFAM-Aktien. Ich schätze Amazon, Facebook, Adobe und Paypal für den kommenden Winter als chancenreich ein. Für spekulativere Anleger sind die neuen Wachstumswerte aus den Bereichen Cloud, Fintech und BigData interessant. Dazu zähle ich z.B. Splunk, Crowdstrike, Square, Docusign, Zscaler, Hubspot und Tradedesk. Sie machen teilweise noch keine Gewinne, steigern aber ihre Umsätze rasant und etablieren neue Geschäftsbereiche.

Aber auch unter den deutschen Aktien bilden sich neue Chancen. Für sicherheitsbewusste Anleger könnten sich Post, SAP, Linde und Siemens eignen. Ich halte aber auch einige Smallcaps für sehr vielversprechend. Exemplarisch würde ich Bechtle, Allgeier, Secunet, Atoss, Sartorius, 2G Energy, PVA Tepla und Hypoport nennen.

Wer ganz tollkühn ist, kann auf die extravaganten Elektromobile von Ayro oder die neuen chinesischen E-Autos von Nio wetten. Bei Nikola wäre ich dagegen skeptisch.

Diese Aufzählung ist aber bei weitem nicht vollständig. In nächster Zeit werde ich eine genauere Beschreibung einiger Werte auf meiner Watchlist geben, die diesen Rahmen sprengen würde.

Ausblick

Der Ausblick ist im Wesentlichen unverändert. Bis Mitte September überwiegt in den USA noch die Tendenz nach unten. Danach sollte etwa eine Woche lang eine Gegenbewegung einsetzen. Ab Ende September setzt sich dann vermutlich der Abwärtsschwung mit ein paar Zwischenzacken den Oktober hindurch weiter fort. Das belastet weiterhin die Hightech-Aktien und überbewertete Aktien wie Tesla.

Nach der US-Präsidentschaftswahl erwarte ich neuen Optimismus der in der Wahl erfolgreich gebliebenen Hälfte der Wähler. Das spricht für die wachstumsorientierten Aktien in der Endphase des zwölfjährigen Bullenmarktes seit der letzten großen Finanzkrise von 2008.

Dies ist keine Prognose, sondern nur eine Mutmaßung und auf keinen Fall Grund für irgendwelche Anlageentscheidungen. Der Finanzmarkt und die Kurse aller Aktien können und werden sich völlig anders entwickeln, als ich es vermute.

Allgemeine private Finanzplanung

Dieses Blog behandelt vor allem die Möglichkeit, mit Aktien Renditen über dem Marktdurchschnitt zu erzielen. Über der Jagd nach Renditen vergisst man eventuell, dass der Grundstein zum Reichtum schon viel eher gelegt wird. Wer zu wenig Geld zum Anlegen hat, wird auch mit zweistelligen Renditen absolut nur kleine Beträge ansammeln können. Bevor man also mit der lukrativen Aktienanlage beginnt, sollte man dafür sorgen, dass genug Geld zum Anlegen vorhanden ist. Dafür braucht man eine allgemeine private Finanzplanung.

Schulden

Schulden binden Kapital und verhindern, dass man es solange gewinnträchtig anlegen kann. Darum vermeide Kredite, wenn du kannst, und zahle sie zu schnell wie möglich zurück. Eine Ausnahme gilt für echte wertbeständige Investitionen. Ein Haus in guter Lage, das du selbst bewohnen oder vermieten kannst, fruchtbares Land, das bewirtschaftet wird, und Bildung, die deine Chancen verbessert, sind Beispiele dafür. Sie können ihren Wert behalten oder sogar steigern.

Ein Auto ist nur dann eine Investition, wenn es dir ermöglicht, mehr Geld zu verdienen oder Zeit zu sparen. Ansonsten verliert es schnell an Wert. Ein Urlaub oder eine Party sind kein Grund sich zu verschulden. Das geht erstmal auch billiger. Wenn man später genug gespart hat, kann man sich auch teuren Urlaub leisten, ohne dafür extra Zinsen bezahlen zu müssen.

Bildung

Sorge für Bildung, die dir durchgehende Berufstätigkeit ermöglicht, auch wenn dein Lieblingsberuf gerade außer Mode gerät. Am lohnendsten sind skalierbare Fähigkeiten. Bei Bäckern ist die Anzahl der Brote, die sie pro Tag backen oder verkaufen können etwa gleich und konstant. Bei Softwareentwicklern ist die Anzahl der Kunden weitaus höher als die der Brotgramme, äh, Programme, weil man jedes Programm gleich vielfach auf der ganzen Welt verkaufen kann. Materie skaliert schlecht, Information skaliert gut (Struktur, Organisation, Sprache, Musik, …).

Halte dein Wissen auf dem aktuellen Stand und lerne ständig dazu, auch auf fachfremden Gebieten. Plane nicht auf feste Ziele hin, deren Verfehlung dich frustrieren oder nach deren Erreichung du in ein Loch der Untätigkeit fallen kannst. Plane lieber Entwicklungen über Fixpunkte hinaus und mache den Fortschritt zu einem festen Bestandteil deines Lebens . Lies täglich ein Kapitel lesen, trainiere jede Woche ein paar Stunden, programmiere jeden Monat eine kleine App programmieren, komponiere jedes Jahr ein Lied komponieren… Aber halte deine Pläne flexibel. Scheue dich nicht, sie zu verwerfen und neu zu planen, wenn die Umgebung sich ändert. Hab keine Angst vor Rückschlägen, aus jeder scheinbaren Katastrophe können sich neue Möglichkeiten ergeben.

Lerne zusätzliche „weiche“ Fähigkeiten wie Rhetorik, Kommunikation, Selbstdarstellung, Benehmen, Allgemeinbildung. Die besten Kenntnisse auf Zeugnissen bringen nichts, wenn du sie nicht vermitteln und dich an gute Stellen bringen kannst. Pflege Hobbys als zusätzliche Optionen – z.B. können gute Straßenmusiker und -künstler auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten dazuverdienen. Halte dich gesund und fit, um auch körperlich anstrengende Arbeiten selbst zu erledigen und nicht auf teure Handwerker angewiesen zu sein. Sei vorsichtig, wenn du Sport treibst, mit dem man sich Sprunggelenke oder Knie langfristig ruinieren kann.

Konsum

Gib normalerweise möglichst wenig Geld für entbehrliche und teure Dinge aus (Eierkocher, Auto, Markenprodukte, Restaurants, Cocktailbars, iPad, Waschmaschine, Heimkino). Oft tun es auch billigere (Kochtopf, Fahrrad, Discounter, Kartoffeln, Tetrapak-Wein, Strickzeug, Fluss, Märchenbuch). Dann hast du mehr Geld übrig, um dir von Zeit zu Zeit auch mal wirklich etwas Schönes gönnen zu können (Eierkocher, Auto, Markenprodukte, Restaurants, Cocktailbars, iPad, Waschmaschine, Heimkino).

Hüte dich vor Leuten, die dir etwas verkaufen wollen. Lass dich nie auf der Straße oder an der Haustür überreden, sondern bestehe auf einer Nacht Überlegung. Spende nicht denen, die dich danach fragen, im Fernsehen erwähnt werden oder Werbung machen. Informiere dich lieber selbst nach sinnvollen Projekten, die dauerhafte Verbesserungen bewirken. Sogenannte „Berater“ sind Verkäufer. Übernimm keine Bürgschaften. Ja, Bürgschaften klingen nett, aber sie können die sozialen Kontakte schlimmer ruinieren als eine Ablehnung. Vermeide es, Geld und Privatangelegenheiten zu vermischen.

Versicherungen

Schließ Versicherungen über Risiken ab, die deine Lage ernsthaft gefährden: Krankenkasse (oft ist die gesetzliche die erste Wahl, im Urlaub noch eine Auslandsversicherung dazu), Haftpflicht (mit genug Millionen für Personenschäden, das kann einen sonst ruinieren), für Familien Risikolebensversicherung und bei Investitionsschulden auch eine Restschuldversicherung. Bei der Berufsunfähigkeit gehen die Meinungen auseinander. Einerseits wäre sie großartig, wenn man sie mal braucht, andererseits braucht man womöglich dann auch noch eine Rechtsschutzversicherung, die die BU zur Zahlung zwingen kann und eine Rechtsschutzschutzversicherung, die die Rechtsschutzversicherung zum Zwingen zwingen kann und so weiter. Wenn man sie früh und gesund abschließt, ist sie billiger, als wenn man bis zu den ersten chronischen Krankheiten wartet. Wenn man keine BU bekommen kann, ist eine Unfallversicherung besser als nichts.

Vergiss Versicherungen, deren Zwecke du aus deiner Alltagskasse zahlen kannst wie Handy, Gepäck, Reiserücktritt usw., sowie komplexe Kombinationsprodukte wie Kapitallebensversicherungen. Je mehr eine Versicherung beworben wird, desto mehr lohnt sich das offenbar für die Versicherungen, weil sie damit Profite machen. Desto sinnloser sind sie folglich für die Kunden.

Sparen

Halte von deinem Geld so viel verlustsicher und jederzeit verfügbar, dass du dein Existenzminimum ein Jahr lang davon bestreiten könntest. In Niedrigzinszeiten ist es praktisch egal, ob du dafür ein Giro- oder Tagesgeldkonto wählst.

Besorg dir ein Depot bei einer Direktbank. Schöne Filialen, in denen man Kaffee „geschenkt“ bekommt, bezahlst du mit deinen Provisionen. Leg das Geld, das du übrig hast, so an, dass Rendite und Risiko zu deinem Lebensentwurf und deinem Charakter passen. Wenn du es nicht selbst besser entscheiden kannst, investiere bis 25 all dein überschüssiges Geld in Indexfonds auf breite Aktienindizes, ab 75 all dein Geld in kurzlaufende Anleihen, und dazwischen allmählich wechselnd. Mische bei den Aktienfonds den eigenen Währungsraum (z.B. MSCI Stoxx Europe 600), globale Industrieländer (z.B. MSCI World) und Schwellenländer (z.B. MSCI Emerging markets), zum Beispiel im Verhältnis 40:40:20. Bei Anleihen geh mit erstklassigen Staats- oder Unternehmensanleihen mit kurzer (Rest-)laufzeit auf Nummer sicher. Schichte die Mischung nicht öfter als einmal im Jahr um.

Wenn du dich traust und sowohl die großen Börsenzyklen zwischen Boom und Baisse als auch die Lage einzelner Unternehmen einschätzen kannst, trau dich vielleicht nach einer Kurskorrektur an günstig bewertete Firmen mit guten Zukunftsaussichten. Bevorzugst du es sicherer, entscheide dich für krisenfeste, langfristige Anlagen im Bereich Basiskonsum oder Medizin. Wenn du mehr Rendite und größere Schwankungen riskieren willst, versuche es mit wachstumsstarken Unternehmen aus Hightech-Branchen. Aber vermeide Firmen, die wegen echter Probleme nur scheinbar zu billig sind.

Die perfekte Börsenstrategie, Teil 2: Passives investieren

Die Meinungen darüber, welches die beste Strategie an der Börse ist, gehen weit auseinander. Daytrader verkaufen binnen weniger Stunden teils hoch „gehebelte“, also auf Kredit aufgenommene Wertpapiere. Swingtrader versuchen, größere Aufwärtstrends über Wochen bis Monate mitzunehmen.

Dies ist der zweite Beitrag zum Thema „Perfekte Börsenstrategie“. Der vorige behandelte die Jagd auf Aktien.

Hier geht es um passives Investieren. Dabei versucht man nicht, die Aktien mit den größten Gewinnchancen auszusuchen. Stattdessen kauft man einfach Fonds, die den gesamten Markt abbilden.

Die Vorteile des passiven Investierens

Passives Investieren hat mehrere leicht nachzuvollziehende Vorteile:

  • Indexfonds werden ohne Ausgabeaufschlag an der Börse gehandelt und kosten nur sehr wenig Gebühren
  • Man muss nicht versuchen, die besten Aktien zu finden, was laut manchen Quellen sowieso unmöglich ist
  • Indem man den gesamten Markt kauf, erreicht man maximal mögliche Diversifikation
  • Man verschwendet keine Zeit mit der Betrachtung des Depots, sondern lässt es sich von allein entwickeln.
  • Ein Totalverlust ist praktisch ausgeschlossen. Der Wert des Depots wird nie mehr fallen als der Gesamtmarkt und sich voraussichtlich immer wieder erholen.

Damit ist passives Investieren hervorragend für Menschen geeignet, die sich nicht viel mit ihrer Geldanlage beschäftigen und wenig Zeit dafür aufbringen wollen. Insbesondere bei Langfristanlagen kann man so statistisch Renditen von ca. 6% bis 7% erwarten. Das hängt von der Auswahl der Indexfonds und den Marktphasen ab.

Wenn kürzlich der Aktienmarkt einen Crash oder eine größere Korrektur durchlaufen hat, ist es schwierig, auch mit guter Aktienauswahl die Entwicklung von Indexfonds zu übertreffen. Darum ist am Anfang eines Aufwärtstrends passives Investieren eine sehr gute Wahl selbst für Anleger, die sonst ihre Aktien selbst aussuchen.

Die Nachteile des passiven Investierens

Huch, diese Börsenstrategie ist doch nicht perfekt. Warum nicht?

  • Die Zusammensetzung der Indizes ist umstritten. Der Dow Jones Industrial Avergage und der DAX sind sehr bekannte Indizes, enthalten aber beide nur 30 Aktien. Es ist offensichtlich, dass in einem solchen Index die Diversifikation nicht besonders groß ist. Aber in letzter Zeit sind auch im eigentlich sehr breit angelegten S&P500 die größten Werte derart stark gewachsen, dass sie die Entwicklung des Index dominieren.
  • Wie man Aktienfonds der Industriestaaten mit andern Aktienfonds, Rentenfonds, Rohstoffen oder sonstigen Anlagen kombinieren sollte, ist nicht klar. Oft gilt schon ein Welt-Aktienfonds als Abbildung des gesamten Finanzmarktes.
  • Wenn man einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt, nützt einem die garantiert durchschnittliche Entwicklung leider nichts. Aktienindizes können auch mal jahrzehntelang seitwärts laufen (z.B. 70er Jahre). Und wer gerade vor einem Crash um 75% kauft (z.B. DAX von 2000 bis 2003), muss jahrelang warten, bis das Depot sich erholt hat.
  • Wer Fonds kauft, ist zwar offiziell Besitzer der Aktien, wird aber auf den Hauptversammlungen von den Fondsgesellschaften wie Vanguard, Blackrock, Amundi, DWS, Pimco usw. vertreten. Diese Gesellschaften nehmen dann Einfluss auf die Entscheidungen der Firmen.
  • Man kann nicht gezielt in Firmen investieren, die einem besonders gefallen, sondern kauft alle Rüstungsunternehmen, Umweltverschmutzer und Sklavenhalter mit
  • Ein großer Teil des Finanzmarktes, insbesondere mittelständische Smallcaps, bleiben für Indexfonds unerreichbar
  • Man erreicht nicht die maximal mögliche Rendite

Spürbar ist die mäßige Rendite vor allem, wenn man wenig Geld hat. Bei sehr großen Depots hat man kaum eine andere Wahl als die dominanten Aktiengesellschaften zu kaufen. Dann ist der Unterschied zu Indexfonds gering. Mit einem kleinen Anlagebetrag kann es erheblich lukrativer sein, kleine Unternehmen in aussichtsreichen Wachstumsmärkten zu kaufen. Da durch die kleinen Beträge auch der Verlust begrenzt ist, macht es auch nicht viel, wenn man einmal die falschen Aktien erwischt.

Der berühmte Spekulant André Kostolany sagte einmal „Wer viel Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer kein Geld hat, muss spekulieren“

Die perfekte Börsenstrategie?

Offensichtlich ist passives Investieren nicht perfekt. Die Frage, ob es möglich ist, die jeweils perfekte Strategie vorher zu bestimmen, ist umstritten. Wer market timing für unmöglich hält und an effiziente Märkte glaubt, ist mit passivem Investieren gut beraten. Für alle anderen werde ich in den nächsten Wochen weitere Ansätze skizzieren, aus denen man sich aussuchen kann, was man für sich als angemessen betrachtet.

Aktuelle Marktlage Anfang September 2020

Letzte Woche schrieb ich „Es könnte meiner Meinung nach sein, dass die großen Finanzmärkte von Anfang September bis Ende Oktober 2020 zweistellig nachgeben“. Als besonders kritische Werte nannte ich neue und alte Hightech-Aktien sowie insbesondere Tesla.

Die Korrektur im NASDAQ

Innerhalb dieser letzten Woche ist der Höhenflug der Aktien zu neuen Alltimehighs zum Ende gekommen. Die genannten Aktien haben tatsächlich besonders nachgegeben und insbesondere den NASDAQ mit sich in die Tiefe gezogen. Inzwischen ist herausgekommen, dass gerade die Kurse dieser Werte anscheinend durch die Softbank gezielt hochgekauft wurden. Und dieser Kurssturz ist erst der Anfang. Insbesondere bei Tesla erwarten die Anleger gleich mehrere Enttäuschungen. Standard&Poor’s hat abgelehnt, die Aktie in den breiten Index S&P500 aufzunehmen. Die Gewinne durch den Handel mit Förderungskrediten hätten zwar die Anforderungen an ein paar Gewinnquartale erfüllt, aber es bleiben zu viele Zweifel an der langfristigen Qualität von Teslas Bilanz. Auch der publikumswirksame Split konnte keine Anschlusskäufer motivieren, weil unter der Erwartung diese Anschlusskäufer anscheinend bereits alle Interessenten zugekauft haben. In der folgenden Ernüchterung könnte Tesla noch deutlich weiter abstürzen, mehr noch als der Rest der Aktien, auf die aber auch noch einige Ernüchterung wartet.

Unsicherheit bleibt

Das Problem Covid-19 ist immer noch nicht gelöst, die Kurse sind den Gewinnen davongaloppier, und die USA sind noch unsicher, welcher Kandidat zum Präsidenten gewählt wird. Die Börse neigt dazu, in solchen Phasen der Unsicherheit nachzugeben, so wie meistens in den zwei Monaten vor der US-Wahl. Danach allerdings erwarte ich mit neuer Klarheit über die politische Lage und neuem Optimismus steigende Kurse ins neue Jahr 2021 hinein. Nach der US-Wahl wird mindestens die Hälfte der Wähler meinen, dass der bessere Kandidat Präsident geworden ist. Das dürfte für bessere Stimmung sorgen dürfte, egal um wen es sich handelt. Es ist ohnehin selten, dass zwei Jahre in Folge an der Börse schlechte Jahre werden.

Ausblick

In der kommenden Woche dürften die Indizes weiter fallen, natürlich wie an der Börse üblich mit kleinen Zwischenstopps und Zickzackbewegungen. Wer nicht mit Puts auf fallende Kurse wetten kann oder mag, sollte sich in dieser Zeit lieber von den Märkten fernhalten. In der Sprache der Elliott-Wellen-Theorie haben wir bis zum 4.9.2020 nur einen Teil eines Down-Impulses erlebt. Vom 7.9. bis zum 11.9. sollten den Rest erleben. Danach dürfte wie üblich eine Gegenbewegung einsetzen, die in den letzten beiden Septemberwochen für neuen Optimismus sorgt und Anleger wieder in den Markt lockt. Allerdings bleibt der Oktober noch für einen zweiten kräftigen Downimpuls. Dieser dürfte wieder die Hightech-Werte aus dem Spektrum der FAANG- / FATMAN- / GAFAM-Aktien weiter in die Tiefe schicken.

Ab der US-Wahl können gerade diese Firmen mit dem neuen Optimismus durch die Wahl des neuen (alten?) Präsidenten einen neuen Schub erleben. Von Tesla würde ich mir nichts mehr versprechen. Amazon, Microsoft, Adobe, Apple und Facebook könnten im Winter 2020/2021 dagegen profitieren. Das Gleiche gilt auch für Paypal, Square, Docusign, Shopify, Zscaler, die im Moment nach Absturz aussehen. Nachdem viele hoffnungsvolle Anleger durch den Absturz verkauft haben, könnten sie wieder steigen.

Dies ist keine Prognose, sondern nur eine Mutmaßung und auf keinen Fall Grund für irgendwelche Anlageentscheidungen.

Die perfekte Anlagestrategie, Teil 1: Jagd auf Aktien

Viele Anleger suchen nach der perfekten Anlagestrategie, um unterbewertete Aktien zu finden. Börsenratgeber, Blogs (wie dieser), und Finanznachrichten buhlen mit kostenlosen bis teuren Ratschlägen und Artikeln um die Gunst der Anleger. Die Ansätze reichen von breiten Investitionen in den gesamten Markt auf einmal über Spontankäufe moderner Aktien wie Wirecard oder Tesla, die Analyse von Bilanzen bis hin zum Betrachten der Charts auf profitträchtige Muster. Manche entwickeln ihren persönlichen heiligen Gral als Satz von Indikatoren, den sie mit speziellen Tools „backtesten“, um die Überlegenheit ihres Ansatzes zu beweisen.

Dies ist der erste Beitrag zum Thema „Perfekte Börsenstrategie“. Der nächste behandelt das passive Investieren.

Andere Quellen widersprechen der Ansicht, dass es überhaupt einen überlegenen Ansatz geben könnte, denn wenn ein solcher existierte, dann könnten theoretisch alle Menschen damit reich werden. Das führt ins Absurde führt und kann darum nicht stimmen. Eugene Fama hat für diese Ansicht der effizienten Märkte sogar einen Nobelpreis bekommen. Jeder vorübergehend überlegene Ansatz ist dazu verurteilt, nach seinem Bekanntwerden erfolglos zu werden. Sobald die Anleger mit ihrem Kauf- und Verkaufsverhalten die Vorteile vorwegzunehmen versuchen, machen sie sie dadurch selbst unmöglich. Die Börse ist ein reflexives System, auf das jeder Teilnehmer unmittelbar selbst Einfluss nimmt.

Eine hilfreiche Analogie

Ich veranschauliche die Auswahl von Aktien gerne mit einer Analogie. Stellen wir uns vor, wir stehen irgendwo allein in der Natur und sind gezwungen, uns selbst etwas zu essen zu beschaffen. Gibt eine optimale Strategie dafür?

Jagen und Sammeln im Kleinen

Ein naheliegender und allgemein anwendbarer Rat wäre, nach Pflanzen mit essbaren Blättern oder Wurzeln zu suchen. Auf diese Weise wird man zwar nicht sehr schnell satt, aber man hat praktisch immer gute Chancen, überhaupt zu überleben. Diese Art der Nahrungsbeschaffung vergleiche ich mit festverzinsten Bankguthaben; man kann sie immer bekommen und ist damit weitgehend sicher, aber sie sind ein bisschen dürftig.

Die marktbreite Anlage in Indexfonds ist ein bisschen so, als würde man mit dem Maschinengewehr wild in den Wald feuern. Man kann sich ziemlich sicher sein, auf diese Weise immer irgend etwas zu erlegen. Ein paar Vögel, Hasen, Mäuse erwischt man immer, und wenn man Glück hat, ist auch mal ein Reh dabei. Allerdings kann man auch nicht ausschließen, auch mal nur daneben zu schießen.

Jagd auf Großwild

Wenn man auf Größeres aus ist, kann es sinnvoller sein, erst einmal die Spuren im Wald zu betrachten, die Wasserstellen ausfindig zu machen, und sich in der Nähe eines Wildwechsels auf die Lauer zu legen. Wenn man ein Rentier jagen will, sollte man berücksichtigen, wann die Herde ihre jahreszeitlichen Wanderungen unternehmen. Das ist, was Stockpicker tun. Sie untersuchen die Spuren im Chartverlauf, die Lebensgewohnheiten ihrer Beuteunternehmen und warten die saisonalen Zyklen ab, bevor sie handeln. Wenn dann die Rentierherde kommt, spielen nicht zuletzt auch ihre Mitglieder eine Rolle. Entweder man wählt ein leckeres Jungtier, einen stattlichen Bock, oder ein leichter zu treffendes altes Tier, das immerhin noch für eine Brühe taugt. Entsprechend hat man auch bei Aktien immer eine ganze Reihe konkurrierender Unternehmen zur Auswahl.

Aber was, wenn die Umgebung sich als eine ganz andere herausstellt, als der Wald, von dem hier die Rede war? In der Arktis muss man beim Robbenfang völlig anders vorgehen. Mitten in der Sahara hat man womöglich gar keine Chance zu überleben. Auch an der Börse gibt es Phasen, in denen man bei bestem Willen keine optimale Anlagemöglichkeit findet.

Anwendung auf die Anlagestrategie

Die Analogie hinkt natürlich, wie jede andere auch. Ein Fazit erlaube ich mir trotzdem zu ziehen. Es gibt keine eindeutige perfekte Anlagestrategie an der Börse, ebensowenig wie es eine perfekte Überlebensstrategie in der Wildnis gibt. Aber es gibt eine ganze Reihe optimaler Überlebensstrategien zu bestimmten Zeiten in bestimmten Umgebungen. Die Kunst der Jagd an der Börse besteht darin, je nach Umgebungsbedingungen die richtige Strategie zu wählen. Welche man auswählt, hängt sowohl von den eigenen Anforderungen wie Risikofreude und Gier ab wie auch vom aktuellen Marktumfeld, dem Zyklenverlauf, den Leitzinsen, den Modeerscheinung, den politischen Einflüssen wie Wahlen.

Aktueller Ausblick

Heute, am 6.9.2020, befinden wir uns meiner Meinung nach in der Korrektur des Anstiegs seit dem Corona-Tief im Frühling. Bis zur US-Wahl erwarte ich noch fallende Kurse, insbesondere bei Rentieren, äh, Aktien mit Blähungen. In der Hinsicht wäre für mich zum Beispiel Tesla ein Kandidat. Nach der Wahl in den USA steigen die Börsenkurse meist wieder. Immerhin wird die Hälfte der US-Bevölkerung der Meinung sein, den besseren der zwei Kandidaten zum Präsidenten gewählt zu haben. Die Stimmung der Mehrheit wird dann entsprechend gut. Darum erwarte ich ab November 2020 eine gute Jagd auch auf Großwild. Um die US-Wahl herum werde ich mich nach entsprechenden Spuren umsehen.